Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Unbekannte Flugobjekte

Während der bekanntermaßen gemäßigte Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas fröhlich verkündet, dass man keinen einzigen Juden in Palästina leben lassen wird, verkündet die Hamas im Besitz einer geheimen Waffe zu sein. SoE berichtet und bemerkt ganz richtig, dass das an die Bemühungen eines ehemaligen Gefreiten aus Braunau erinnert als ihm die Scheiße bis zur Halskrause stand.

Im Sinne der Aufklärung hat sich instant end bemüht um zu erforschen was dran ist an der Sache. Zwar war der Erkenntnisgewinn bezüglich der palästinensischen Wunderwaffe gering, jedoch wurde ein anderes streng geheimes Projekt entdeckt. Die Hamas errichtet im Südpol ein gewaltiges Reich unter dem Eis, dort soll das Volk der Palästinenser, zum Schutze vor zionistischen Aggressionen, sicherheitshsalber konserviert werden. Selbstverständlich in friedlicher Koexistenz mit den arischen Nachbarn. (Das Wissenschaftsmagazin teleboom.de weiß über die Arier zu berichten: Die Arianni oder Arier im Inneren der Erde flohen vor 12.500 Jahren ins Erdinnere, als Atlantis mit einem gezielt gesteuerten Asteroiden-Einschlag vernichtet wurde. Sie leben immer noch dort im Inneren und warten auf den Tag, an dem sie uns helfen „dürfen“. Die Arianni sind keine Vorfahren der Menschen. Sie leben heute in der 8. Dimension und sind uns damit um ein Vielfaches voraus. Sie besitzen UFOs, aber diese bleiben für uns unsichtbar. Die gesichteten UFOs gehören anderen außerirdischen Völkern.)

Ein Kämpfer der Hamas bewacht den Eingang zum neu errichteten Reich:

Gutes Deutschland vs. schlechtes Deutschland?

Das Bündnis Dresden Nazifrei! hat den Aufruf für die Proteste, gegen den, wie jedes Jahr im Februar stattfindenden, Naziaufmarsch veröffentlicht. Darin wird vermerkt:

„Grundlage unseres Erfolges war die Spektren übergreifende Zusammenarbeit zwischen Antifagruppen, lokalen Initiativen und Aktionsgruppen, Gewerkschaften, Parteien und Jugendverbänden sowie zahlreichen weiteren Organisationen und Einzelpersonen.“

Es folgt der Hinweis, dass „die Nazis“ versuchen „die Bombardierung Dresdens für ihre Zwecke zu instrumentalisieren und an bestehende Mythen und die Gedenkkultur anzuknüpfen.“ Wie diese Gedenkkultur aussieht, das kann man z.B. hier oder hier nachlesen.

Dem verweigert man sich auch gar nicht, denn, so schließt das Bündnis:

„Wir sind uns bewusst, dass sich die Nazis ihr Großereignis nicht einfach nehmen lassen. Deshalb werden wir uns auch 2011 wieder den Nazis durch Aktionen des zivilen Ungehorsams mit Massenblockaden entgegen stellen. Dieses Ziel eint uns über alle sozialen, politischen oder kulturellen Unterschiede hinweg. Von uns wird dabei keine Eskalation ausgehen. Wir sind solidarisch mit allen, die mit uns das Ziel teilen, den Naziaufmarsch zu verhindern.“

Und was das für die Antifa-Gruppen die den Aufruf mittragen bedeutet? Nun, nichts anderes als ein Verzicht auf Kritik um beim großen Spektakel seinen Teil vom Kuchen abzubekommen. Einen Redebeitrag zum Thema hielt vor einiger Zeit die [AGST], dieser ist hier nachzulesen.

Wenn also Dresden Nazifrei! das gute Gedenken gegen das falsche Gedenken verteidigen, dann kann auch die Dresdner Oberbürgermeisterin Orosz ihre Rede halten und klarstellen:

„Wir tun das im Gedenken an die schrecklichste Stunde Dresdens, die heute vor 65 Jahren schlug. An ihrem Ende waren Zehntausende von den Bomben zerrissen, erschlagen von zusammenstürzenden Mauern, im Höllenfeuer des Phosphors verbrannt, erstickt, ausgelöscht, und Zehntausende irrten zwischen den Trümmerbergen umher, Mütter suchten ihre Kinder, Kinder ihre Mütter. Noch Wochen, noch Jahre danach.“

Wenn davon gesprochen wird, dass die Bomben im Angesicht von Deportation und Vernichtung der größte Schrecken sein soll, den Dresden erfahren hat, dann lässt das nur einen Schluss zu: Die notwendige Bombardierung durch die Alliierten wird wieder mal als Vorlage genutzt sich selbst zum Opfer zu stilisieren. What a surprise.

Information zu Dresden und warum die Bombardierung notwendig war findet sich u.a. auf diesem Blog. Außerdem soll auf ein Interview mit Olga Horak verwiesen werden: „Wir hatten keine Angst vor den Bomben.“

Große Momente (1)

Völkerfreundschaft vs. Sarrazin

Im Raum Stuttgart schlug man sich in letzter Zeit – besonders wenn es um Protest ging – vor allem mit S21 herum. Nun gibt es aber auch noch andere Themen, dazu gehören auch das Buch Deutschland schafft sich ab und sein Autor. (Kritische Auseinandersetzung gibt es schon eine Menge, es liegt nun daran, sie zu vermitteln, deswegen sei lediglich diese Seite empfohlen) Man überschlägt sich regelrecht dabei mitzuteilen, dass Sarrazin ein gemeingefährlicher Rassist ist, oder dass endlich mal einer sage, was die meisten denken, sich aber lediglich nicht auszusprechen getrauen. (Als ob die Überzeugung der Mehrheit ein gültiges Argument für die Richtigkeit einer Annahme wäre.)

Nun war also Thilo Sarrazin in die Sindelfinger Buchhandlung Röhm geladen, um gleich zwei Lesungen abzuhalten, die mit zusammengerechnet 500 Besuchern eine Menge Zuhörerschaft anzog und laut dem Bericht der unsägliche Rassisten von Politically Incorrect von einer freundlichen Stimmung geprägt war, möglicherweise „die erste Veranstaltung seit der Veröffentlichung seines Buches, wo Sarrazin keinen Anfeindungen ausgesetzt war – bis auf dem Lärm vor der Buchhandlung.“ In der Buchhandlung Röhm befindet sich Sarrazin in bester Gesellschaft – zehn Tage vor ihm las auch schon Roger Willemsen am gleichen Ort (über Compact). Selbstverständlich war auch dessen Lesung ausverkauft.

roger willemsen

Da nicht sein darf, was nicht sein soll, rief die Antifaschistische Aktion Aufbau Stuttgart dazu auf die geplante Veranstaltung zu verhindern. Dazu gab es dann einen Flyer vom Aktionsbündnis Internationale Solidarität Sindelfingen/Böblingen/Stuttgart (Vorderseite, Rückseite), der leider nicht gerade vor ausführlicher Kritik glänzte, geschweige denn sonderlich emanzipatorisch war.


In Sindelfingen haben sich alle lieb…


… und wünschen sich, dass ihr Volk sich mit den anderen verträgt.

Wie es zusammen passt lauthals „Gegen das Konstrukt von Volk, Nation und Rasse – für uns gibt es nur eines: Klasse gegen Klasse!“ rufend einen Flyer zu verteilen der von Völkerfreundschaft spricht, das wird sowohl auf den ersten Blick als auch auf die folgenden nicht klar.
Während in der Buchhandlung also freundlich auf Herrn Sarrazin eingegangen wurde, der Sätze von sich gab wie

„Wir sind kurz vor dem Punkt, wo die Sache auf demokratischem Wege nicht mehr zu regeln ist.“

– was niemand weiter zu stören schien, respektive von PI begeistert aufgenommen wurde – harrten in der Kälte draußen die Demonstranten aus, zogen einmal durch die Sindelfinger Innenstadt und hatten anscheinend Silversterknaller dabei. Selbstverständlich berichtete auch die Lokalpresse über die Vorgänge (die, ganz zufälligerweise, dem gleichen Besitzer zuzuordnen ist wie die die Veranstaltung ausrichtende Buchhandlung).

Wie ein handelsüblicher Silvesterböller acht Personen verletzen soll, das ist dann doch etwas unklar, erinnert dann doch eher an einen anderen Vorfall. Den Verletzten wünscht instant end selbstverständlich eine gute Besserung.

Im Bericht der Antifa spricht man jedenfalls von einem erfolgreichen Protest, es sei eine „internationalistische Kundgebung und kämpferische Demo“ gewesen. Immerhin: Als einige Personen mit türkischen Nationalfahnen auftauchten, so schreibt die Antifa, wurden „diese Türkische Nationalisten […] der Veranstaltung schnell verwiesen.“

Man muss den Protestierenden zwar anrechnen, dass sie überhaupt protestiert haben, aber gleichzeitig müssen sie sich auch damit beschäftigen, was sie versäumt haben. Nämlich darauf hinzuweisen, dass Sarrazin eben kein rechtsextremer Hetzer ist, sondern direkt aus der Mitte der Gesellschaft kommt, deren Vokabular und deren Logik anwendet, schlichtweg die ganz alltägliche Verwertungslogik übernimmt und offen ausspricht.
Sarrazin ist eben kein Kritiker islamischer Zustände, sondern jemand der sich Gedanken darüber macht, wie mit, in der Logik des Kapitals, Überflüssigen umzugehen ist. Und genau deswegen ist sich nicht auf ihn und seine Ideen einzulassen: Weil bei der Verwertung von Menschen kein Wie zu diskutieren ist, sondern nur ein klares Nein erfolgen kann.
Es wäre angebracht kritisch zu hinterfragen wo und wie genau die Kritik letztlich anzubringen ist. Und wenn man schon eine zweistellig anmutende Anzahl an Redebeiträgen hält, dann wäre es angebracht, wenn statt den sich wiederholenden klassischen Parolen etwas mehr inhaltliche Kritik geleistet worden wäre. Und da wäre auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Islam wünschenswert, die leistet Sarrazin – obwohl es ihm von den Protestierenden vorgeworfen wird – nämlich gar nicht. Diese wäre stattdessen wünschenswerterweise von der Linken zu leisten. Daran wäre nämlich viel weniger etwas rassistisches zu erkennen, als vielmehr ein notwendiges Vorgehen.

Statt also einfach mit lauter Musik und einer Demo darauf hinzuweisen, dass Sarrazins Position nicht akzeptabel ist, wäre also bzw. zusätzlich die Vermittlung emanzipatorischer Inhalte wünschenswert gewesen. Da damit eines der grundsätzlichen Probleme weiter Teile der Linken wieder einmal offen liegt, soll es hier nicht unerwähnt bleiben: Der Hang das (bisweilen vermeintlich) richtige Tun zur maßgeblichen Institution der Kritik zu machen, statt die Kritik selbst.
Und dann wäre eine Konsequenz zu ziehen: Nämlich darauf aufmerksam zu machen, dass der von Sarrazin vorgegeben Diskursrahmen gar nicht erst aufgegriffen werden sollte. (Wer das trotzdem tun möchte, der kann sich den Faktencheck in der Broschüre von die Linke zu Gemüte führen.)

Rote Antifa [NRW] vs. Kapitalistenklasse

„Erste Ausgabe der „Roten Ruhr“ erschienen!“

verkündet die Rote Antifa [Essen] auf indymedia linksunten. Diese erste Ausgabe (pdf download) besteht aus ganzen vier Seiten und enthält „das neue Selbstverständnis der Roten Antifa [NRW], einen Artikel zur momentanen „Terrorhysterie“, einen Ausblick auf die jährliche LLL-Demo in Berlin und einen Rückblick auf die Anti-Nazi-Proteste in Essen.“

rote antifa

Mit dem Selbstverständnis der Roten Antifa [NRW] wird sich dann auch schon recht schnell und deutlich positioniert. Man ist eine „revolutionäre Jugendgruppe“, versucht eine „klassenbewusste Jugendbewegung aufzubauen“ und will sich selbstverständlich „offensiv gegen die Missstände dieser Gesellschaft stellen.“ Dafür liefert man dann auch gleich eine theoretische Basis, die den herrschenden Zustand in aller Kürze erfasst, schließlich will man

„nicht nur gemeinsam gegen Hartz IV, Rassismus und Krieg kämpfen, sondern auch gegen das herrschende System, in dem die Mehrheit der Bevölkerung (Arbeiterklasse) durch eine kleine Minderheit (Kapitalistenklasse) ausgebeutet und unterdrückt wird; wobei die Kapitalistenklasse von dem von der Arbeiterklasse geschaffenen Reichtum lebt und sich daran bereichert.“

Glücklicherweise hat die Rote Antifa [NRW] auch das Patentrezept um das herrschende System zu überwinden:

„Um eine revolutionäre Situation schaffen zu können, müssen wir in aktuelle Kämpfe eingreifen und uns organisieren.“

Wer meint in puncto struktureller Antisemitismus wäre die Spitze der Fahnenstange schon durch Gruppierungen wie SOL Hamburg erreicht, der wird hier eindeutig des Besseren belehrt. Die Rote Antifa [NRW] ist ein Paradebeispiel für die Praktizierung eines simplifizierenden Weltbilds, wer die Welt so leicht in gut und böse unterteilen kann, der sollte vielleicht noch einmal etwas nachdenken. Oder Marx lesen, der schrieb nämlich schon: Die

„Charaktermasken der Personen sind nur die Personifikationen der ökonomischen Verhältnisse, als deren Träger sie sich gegenüberstehen.”

„Es geht um Personen, nicht um Individuen.“ schlußfolgerte auch Joachim Bruhn in “Charaktermasken abschminken” – Abstrakte Herrschaft, bewaffneter Kampf, konkrete Leichen.

Vielmehr gibt das Selbstverständnis dann auch nicht her. Wer dann noch ein bisschen auf der Homepage der Roten Antifa stöbert, der findet allerlei reaktionären Kram insbesondere natürlich den obligatorischen Hass auf Israel und verkürzte Kritik wo es auch nur möglich ist sie anzubringen (1, 2, 3, 4)

Und warum es sich hier um strukturellen Antisemitismus handelt? beatpunk schrieb zur Thematik:

»Meiner Deutung nach«, fasste Postone einen zentralen Aspekt seiner Analyse des modernen Antisemitismus zusammen, »wurden die Juden also nicht nur mit dem Geld, das heißt der Zirkulationssphäre, sondern mit dem Kapitalismus überhaupt gleichgesetzt. […] Die Überwindung des Kapitalismus und seiner negativen Auswirkungen wurde mit der Überwindung der Juden gleichgesetzt.« Exakt auf den Punkt gebracht, lässt sich da nur sagen.
Es ist genau diese assoziative Identität, die in der Rede vom strukturellen Antisemitismus gemeint ist. Ohne eine Kapitalismuskritik, in der das Kapital nicht als prozessierender Widerspruch sondern als zerschlagbare Einheit dargestellt wird, die von »Herrschenden« zusammengehalten wird, fände der Antisemitismus keinen Anknüpfungspunkt in der Kapitalismuskritik, während umgekehrt ohne antisemitische Fixierungen, die den Abgleich der Vorstellungen vom Kapital mit der Realität verhindern, die behauptete Einheit an Plausibilität verlieren würden.

Abgesehen davon finden sich in der Roten Ruhr einige nicht weiter erwähnenswerte Texte und auf linksunten noch eine abschließende Drohung:

„Die „Rote Ruhr“ bekommt ihr ab sofort auf allen Aktionen wo ihr uns antrefft.“