Aiman Mazyek und die Muslimbrüder

Aiman Mazyek ist Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Neulich schrieb er einen Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung. Dieser ist erst mal nicht sonderlich aufregend, er finden sich die üblichen Phrasen zum Thema Integration, zudem berechtigte Kritik an der Enthaltung im Libyen-Einsatz. Interessant wird es erst im zweiten Teil. Dort heißt es zur Situation in Ägypten:

Religiöse Gruppierungen in Arabien wie die Muslimbrüder werden sich dem demokratischen Wettbewerb stellen müssen. Man wird von ihnen seriöse Antworten auf die gewaltigen wirtschaftlichen und sozialen Probleme ihrer Länder erwarten. Die Zeiten der Ideologisierung der Religion sind – das hat die Revolution eindrucksvoll gezeigt – endgültig vorbei.

Hierzu ist festzustellen: Die Muslimbrüder sind nicht einfach eine religiöse Gruppierung, denen man entspannt dabei zusehen kann, wie sie sich dem „demokratischen Wettbewerb stellen“. Barry Rubin gilt als einer der führenden israelischen Nahostexperten, er hat ein Buch über die Muslimbrüder verfasst, in der Märzausgabe der Monatszeitschrift konkret gab er ein Interview (Dieses ist in englischer Sprache hier nachzulesen).

Auf die Frage „Wie radikal ist die Muslimbruderschaft? Manche Leute behaupten, sie sei moderat.“ antwortete er:

Das ist absoluter Unsinn. Die Sache ist leicht zu erklären. Das Regime hat die Muslimbruderschaft sehr stark unterdrückt. Unter Nasser wurden ihre Mitglieder in Internierungslager gesteckt und gefoltert. Dorthin wollten sie nicht zurück, also wurden sie vorsichtiger. Trotzdem sind sie immer noch extrem. Sie brauchen bloß eine beliebige Rede ihrer Anführer oder eine ihrer Publikationen zu lesen. Die englischsprachige Website, die sie haben, ist natürlich sehr moderat – für die Trottel. Lesen Sie die Rede, die der Kopf der Muslimbruderschaft im Oktober gehalten hat. Er hat den Dschihad gegen die Vereinigten Staaten ausgerufen. Der Westen ist zu dumm, um zu überleben, wenn er die lächerlichen Lügen von der „moderaten“ Muslimbruderschaft glaubt. Die Muslimbruderschaft in Ägypten ist genauso radikal wie die Hisbollah oder die Hamas. Sie benutzt keine Gewalt, also sagen die Leute: „Sie sind moderat“ Wenn die Bruderschaft in der Vergangenheit Gewalt angewendet hat, hat das Regime sie zerdrückt, das ist der Grund, warum sie es nicht tut – nicht, weil sie moderat wäre.
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Uns wurde gesagt: „Die Muslimbruderschaft wird den Friedensvertrag mit Israel nicht aufkündigen.“ Dann fingen die Führer der Muslimbruderschaft plötzlich an, darüber zu diskutieren, bis kürzlich ihr stellvertretender Vorsitzender sagte: „Ja, wir werden den Friedensvertrag aufkündigen.“ Das bedeutet nicht, dass sie das am Ende auch wirklich tun, aber es besteht die Möglichkeit, dass Israel sich eines Tages im Kriegszustand mit Ägypten wiederfindet.

Der offene Antisemitismus der Muslimbruderschaft findet seine Begründung unter anderem in den Schriften Sayyid Qutbs, der nach wie vor als einer ihrer wichtigsten Theoretiker gilt. In dessen Tradition befindet sich auch der, erst im Januar 2010 gewählte, momentane Führer der Muslimbruderschaft Muhammad Badi‘e.

Die Fakten widerlegen Aiman Mazyeks Behauptung: „Die Zeiten der Ideologisierung der Religion sind – das hat die Revolution eindrucksvoll gezeigt – endgültig vorbei.“ Wenn die Muslimbruderschaft als „religiöse Gruppierung“ bezeichnet wird, die sich „dem demokratischen Wettbewerb stellen“ muss, dann ist das eine fatale und gefährliche Einstellung. Es ist anzunehmen, dass der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland über die Muslimbrüder und ihre Haltung Bescheid weiß. Dies lässt nur einen Schluss zu, dass Islamismus und damit einhergehend Antisemitismus wieder einmal als marginal abgetan werden.