Es gibt nichts Gutes. Oder man tut es.

„Ich sympathisiere nicht mit dem Proletariat […] Das Proletariat soll aufhören!“ Leo Löwenthal

Alljährlich im Januar trifft sich in Berlin alles was im linken Arbeitsfetischmilieu Rang und Namen hat um wahlweise die Liebknecht-Luxemburg-Lenin- oder nur die Liebknecht-Luxemburg-Demonstration zu begehen. Drumherum gibt es allerlei Programm, u.a. die von der jungen Welt organisierte Rosa-Luxemburg-Konferenz.
Diese Konferenz war mit 2500 Besuchern so gut besucht wie noch nie. Nachdem Gesine Lötzsch eine Podiumsdiskussion abgesagt hatte, hielt Inge Viett eben ein Referat. Es war das übliche Geschwafel von der „historischen Mission der Arbeiterklasse“, „revolutionärer Organisation“, „das Klassenbewußtsein stärken“.

Viett, ehemaliges Mitglied der RAF, hat zu ihrer Vergangenheit in etwa das Gleiche zu sagen, wie zur Zukunft, nämlich dass „dass dem Guerillakampf in der BRD und in allen imperialistischen Staaten verdammt mehr Erfahrung, Klugheit, Ausdauer und Unterstützung zu wünschen gewesen wären“. Nun, für irrsinnige Sätze wie: „Nicht die Theorie macht eine Organisation zu einer revolutionären, sondern allein ihre kämpferische Praxis, und diese stößt unweigerlich auf Repression.“ wurde sie laut Berichten laut bejubelt. Hierzu sei aus dem Selbstverständnis der IsF zitiert:

„Es kann nicht die Aufgabe sein, der Welt aus ihren Träumen eine neue Gesellschaft zu entwickeln, sondern es gilt anzuerkennen, daß sie längst in Albträume umgeschlagen sind, deren Zerstörung durch die Kritik zu organisieren ist. Es geht darum, ‘die Kritik zur Krise zu radikalisieren’. Es ist nicht der Zweck der Kritik, der deutschen Ideologie zum Bewußtsein ihrer ökonomisch ableitbaren Notwendigkeit zu verhelfen, es ist nicht die Arbeit der Kritik, die Kapitalisierung der Gesellschaft als sozialismusträchtige ‘Vergesellschaftung der Produktion’ zu rechtfertigen, und es kann nicht die Absicht der Kritik sein, das richtige Bewußtsein unwahrer Zustände um die Erfahrung seiner Krise und Destruktion caritativ betrügen zu wollen. Einen Begriff und eine Praxis der Kritik gilt es zu entwickeln, der das marxistische Projekt vom Trugbild einer Revolution durch Klassenkampf befreit und es für die Revolution zur Abschaffung der Klassen selbst tauglich macht.“

Genauso überflüssig wie die Konferenz war auch die Demonstration. In einem ausführlichen Bericht auf indymedia wird vom Antifablock, der unter dem Motto „Gegen die Herrschaft des Kapitals – In Gedenken an die ermordeten Revolutionär_innen“ lief, heißt es, dass „im vorderen Teil des Blockes 38 Schilder mit dem Konterfei von verschiedenen Revolutionären getragen [wurden] die sich am weltweiten Kampf um Befreiung beteiligt hatten und dabei ihr Leben verloren“

Mitgeführt wurden unter anderem Bilder von Ernst Thälmann („Ich bin kein weltflüchtiger Mensch, ich bin ein Deutscher mit großen nationalen, aber auch internationalen Erfahrungen. Mein Volk, dem ich angehöre und das ich liebe, ist das deutsche Volk, und meine Nation, die ich mit großem Stolz verehre, ist die deutsche Nation, eine ritterliche, stolze und harte Nation. Ich bin Blut vom Blute und Fleisch vom Fleische der deutschen Arbeiter und bin deshalb als ihr revolutionäres Kind später ihr revolutionärer Führer geworden. Mein Leben und Wirken kannte und kennt nur eines: Für das schaffende deutsche Volk meinen Geist und mein Wissen, meine Erfahrungen und Tatkraft, ja mein Ganzes, die Persönlichkeit zum Bestehen der deutschen Zukunft für den siegreichen sozialistischen Freiheitskampf im neuen Völkerfrühling der deutschen Nation einzusetzen!“) und Deniz Gezmiş („Amerika und alle äußeren Feinde liquidieren, mit Verrätern kurzen Prozess machen und eine Türkei aufbauen, die vollkommen unabhängig und von ihren Feinden gesäubert ist.“).

Was sich da abspielte war also in keinem Sinne revolutionär. Weil die Ideologie der Arbeit sich im Endeffekt auf Stalins Satz „Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen“ reduzieren lässt und weil dies eben nicht die „Einheit der Vielen ohne Zwang“ (Adorno) ist, sondern das genaue Gegenteil. Der kompromisslose Personenkult tut das Übrige, zum sektenhaften, offenbart was letztendlich hinter all dem steckt: Identitätsstiftendes Gehabe. Dies vertritt man auch ganz offen, zwischen Stalin- und Mao-Porträts marschieren Maoisten, SDAJ, Anarchisten, Trotzkisten und wer sich sonst noch irgendwie dazu zählt, zum Klassenkampf. Man macht also ganz deutlich: Positionen sind gar nicht so wichtig, Hauptsache man zählt sich irgendwie dazu, zur „Bewegung“.

Leo Löwenthal formulierte einmal ganz richtig: „Ich sympathisiere nicht mit dem Proletariat […] Das Proletariat soll aufhören!“ Nichts anderes sollte Ziel sein. Nun, der Großteil der Teilnehmer der LLL-Demonstration und Konferenz scheint jedoch viel mehr damit beschäftigt zu sein eine Arbeiterklasse zu generieren und zu zelebrieren, statt ein kategorisches Programm der Abschaffung zu betreiben.

Wie sagte Rosa Luxemburg einmal? „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden.“ Es wäre angebracht gewesen auf Kurt Weestergard oder Marcus Hellwig und Jens Koch zu verweisen. Aber das war und wird nie das Anliegen der jungen welt und ihrer Konsorten sein. Sie ziehen es vor ihr Unglück zu zelebrieren, ihre „Klasse“, den Arbeitswahn. Sie werden weiterhin glauben, dass das Bessere eine Synthese sein wird aus dem alten und ihrer „Kritik“ (als ob aus dem Bestehenden irgendetwas Gutes geformt werden könne), werden weiterhin dem Irrsinn aufsitzen, dass ihre antisemitischen Hasstiraden, ihr durch und durch deutsches Seinsbewusstseins etwas revolutionäres oder gar Befreiendes hat. Dass es sich ganz im Gegenteil verhält, dass ihre Wunsch nach Identität und Masse, letztlich dem Ganzen Falschen Asyl gewährt, dass werden sie nicht begreifen. Daraus kann es nur eine Konsequenz geben: Abschaffen. Genauso abschaffen wie alles andere was besteht.


1 Antwort auf „Es gibt nichts Gutes. Oder man tut es.“


  1. 1 Pol Pot 20. Februar 2011 um 22:05 Uhr

    Sehr geehrte_r Blog-Betreiber_In,
    da wir der Ansicht sind, dass Sie einen durchaus passablen Blog betreiben, haben wir uns vor einigen Tagen dazu entschlossen auf Sie zu verlinken, sofern es in Ihrem Interesse wäre auch auf uns zu verlinken, würde uns dies sehr freuen.

    Mit freundlichen Grüßen, die Redaktion

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.